Vom Glück, einen Film zu drehen

Mit dem Koffer auf Achse

Serie: Selfpublishing – Was bedeutet das für mich als Autor/in
Was macht ein Drehbuchschreiber und Regisseur, wenn er keine Kohle hat? Entweder er hat eine Mutter, die ihm ein paar hundert Euro sponsert oder es wird nichts mit dem Film. Er muss auch einen Kameramann und ein paar Schauspieler haben, die es für einen Appel und ein Ei machen.
Beginnen wir von vorne. Zwei Fachbücher über das Drehbuchschreiben inhaliert. Und dann kam der Satz, ein Hollywooddrehbuch entstehe in einem Zeitraum von neun Monaten. Nach zwei Monaten glaubte ich fertig zu sein, es folgten aber noch sieben Fassungen. Eine Szene wurde während der Dreharbeiten umgeschrieben, einiges am Set improvisiert. Die letzten Änderungen im Schneideraum.

Über 20 Menschen trugen dazu bei, dass der Film so geworden ist, wie er ist. Auf den ersten Blick ist das viel. Aber geht mal ins Kino, wie viel Namen am Ende aufgezählt werden. Da kommt ihr mit dem Zählen ins Schleudern. Uns sind auch Menschen in die Kamera gelaufen, als Annemarie mit ihrem Koffer durch Regensburg zog.

Ein Film ist grundsätzlich ein Gruppenprojekt.

Auch wenn ich für das Drehbuch, für die Regie und für die organisatorische Umsetzung verantwortlich war, arbeitete mein Kameramann und die Schauspielcrew als Regieassistenten und Drehbuchberater mit. Es ist ein großes Glück eine gute Crew zu haben, die das Drehbuch positiv beeinflusst, sodass die ursprüngliche Gestalt flöten geht und alles überflüssige, was den Kinobesucher nur langweilt, rausfliegt. Die Schauspieler waren mein großes Glück. Improvisationstalente. Spontane Ideen, spontane Zufälle haben den Film bereichert.

Es ist eine Glücksache, dass der Film überhaupt entstehen konnte. Ich hatte alle Schauspieler zusammengetrommelt, da fehlten noch wichtige Drehgenehmigungen. Endlich. Sechs Wochen vor Drehbeginn konnte grünes Licht gegeben werden. Der Drehplan entstand.

Man muss ein bisschen verrückt sein, wenn man einen Film drehen will

Wenn ich etwas gelernt habe, dann wenigstens das: Man muss ein bisschen verrückt sein, wenn man einen Film drehen will. Selbst bei perfektester Planung geht irgendetwas schief. Der Fahrradfahrer in der Actionszene fuhr die Hauptdarstellerin fast über den Haufen. Das wirft Fragen auf. Bin ich gut versichert? Das Kostüm für die Nonne kam ein Tag vor Szenendreh noch pünktlich an, aber ein Kuchen lag vergessen in meinem Kühlschrank. Auf die Schnelle mussten wir einen Kuchen besorgen. Und das an einem Sonntag. Es ist der Wahnsinn. Da ich kein Fahrrad habe, bin ich alle Drehorte zu Fuß abgelaufen. An einem Samstag war ich morgens um 8.00 Uhr schon in der Stadt, nur um nachzusehen, ob um diese Zeit eine bestimmte Haustür nicht verschlossen war. Es kam aber alles anders. Die Filmszene wurde in ein Wohnviertel am Stadtrand verlegt.

Der Name des Drehbuchautors ist für den Zuschauer uninteressant. Das einzige, für das sich die Zuschauer interessieren ist das Endprodukt. Wenn ich im Kinosessel einige Lacher höre, dann bin ich zufrieden. Der Film »Mit dem Koffer auf Achse« ist zwar ein Liebesdrama, aber es war mein Anliegen dem Film einen komödiantischen Zug zu verleihen.

 

Text & Bild: Martin Stauder

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