Blick in die Sterne: Was sollte man beim Schreiben von Rezensionen beachten?

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Sieben No Gos bei Buchbewertungen – aus Sicht eines Autors

Autoren leben von Rezensionen. Gerade was die Unterhaltungsliteratur angeht, ersetzen Buchblogger*innen mittlerweile weitestgehend die altehrwürdigen Kritiker der klassischen Printmedien. Sie bloggen meist mit Leidenschaft – und ohne Bezahlung. In sozialen Netzwerken sorgen sie dafür, dass auch unbekannte Autoren eine Chance auf Beachtung finden, auch wenn sie von den klassischen Medien ignoriert werden.

Doch die schöne neue Kritiker-Welt hat auch ihre Schattenseiten. Dass Kritiken immer auch wehtun können, soll hier gar nicht zur Diskussion gestellt werden. Manche Kritiken jedoch tun weher als andere. Und dann gibt es eben Dinge, die sowohl Lesern als auch Autoren den Blick in die bunte Welt der Sternebewertungen so richtig verleiden können.

Hier einige Punkte, von denen Autoren sich wünschen, professionelle Blogger würden sie lieber vermeiden:

1. Schlechte Rechtschreibung und Grammatik

Fehler können jedem passieren, klar. Und in der Dschungelwelt der Rechtschreibreformen tun sich selbst studierte Germanisten manchmal schwer. Die Sprache jedoch gehört zum wichtigsten Handwerkszeug eines jeden, der sich mit Literatur befasst – das gilt für die Autoren, aber auch für die Rezensenten. Wer „das“ und „dass“ nicht unterscheiden kann und Dativ und Akkusativ in einen Topf wirft, zeigt damit schlichtweg, dass er sein Handwerkszeug nicht richtig beherrscht. Was unweigerlich zu der Frage führt: Darf jemand, der so offensiv zeigt, dass er von Sprache keine Ahnung hat, die sprachlichen Leistungen eines anderen überhaupt beurteilen, gar: ver-urteilen?

Besser also: Die Rezension vor der Veröffentlichung nochmal genau durchlesen beziehungsweise, wenn man selbst unsicher ist, von jemand anderem gegenlesen lassen.

2. Falsch verwendete Fachbegriffe

Eng verwandt mit der Problematik der korrekten Sprache ist die der Verwendung von Fachbegriffen. Ein dreibändiges Werk heißt nun mal „Trilogie“ und nicht „Triologie“. Und „Rezession“ ist etwas völlig anderes als „Rezension.“ Wer solche Begriffe falsch verwendet, läuft Gefahr, als Kritiker nicht ernst genommen zu werden. Was im Grunde sowohl den Rezensenten selbst als auch den Autoren schadet.

3. Immer dieselben Inhalte wiederkäuen

In einer Rezension den Klappentext zu zitieren, ist auf einem Blog, wo diese Inhalte für den Leser nicht sofort greifbar sind, sicher sinnvoll. Bei Amazon und Co. allerdings steht der Klappentext bereits unter dem Produkt. Wenn er in jeder einzelnen von zweihundert Rezensionen immer und immer wieder zitiert wird, kann das für den Leser, der sich nur einen Überblick verschaffen will, schnell ermüdend werden. Im Zweifelsfall führt es dazu, dass der Leser Rezensionen einfach überspringt , breite Abschnitte nur überfliegt und weiterscrollt.

Viel hilfreicher und auch origineller, wenn auch aufwändiger, ist es, den Inhalt in eigenen Worten wiederzugeben.

4. Generalisierungen

„Dieses Buch ist schlecht.“

Solche generalisierenden Aussagen werden häufig als problematisch empfunden, denn die Wahrheit ist doch: Nur weil ich als Rezensent ein Buch schlecht finde, heißt das noch lange nicht, dass es wirklich schlecht ist. Und was genau bedeutet eigentlich „schlecht?“

Zwischen einer subjektiven Meinung und einer objektiven Tatsache besteht ein feiner Unterschied, den man beim Schreiben von Rezensionen unbedingt im Hinterkopf behalten sollte. Zudem sollte eine Meinung, wenn sie als professionelle Kritik wahrgenommen werden möchte, immer begründet sein. Warum war das Buch langweilig? Welche Passagen waren unlogisch? Warum mochte ich den Protagonisten nicht? Je fundierter die Begründung, desto hilfreicher ist die Rezension für den Leser und auch für den Autor.

5. Schwammige Aussagen

Ähnlich ist es mit schwammigen Aussagen, wie „Ich mochte das Buch nicht, weil mir etwas gefehlt hat“. Ein Satz, der in Rezensionen häufig zu lesen, im Grunde aber wenig konstruktiv ist. Was genau hat denn gefehlt? Romantik? Spannung? Action? Drama? Um eine Rezension für den Leser hilfreich zu machen, sollten solche Aussagen immer so genau wie möglich ausgeführt werden.

6. Beleidigungen gegen den Autor

Klar, Schimpfworte und andere Obszönitäten sind auf Amazon und Co. ohnehin verboten. Aber auch mit anderen beleidigenden Unterstellungen sollte man in Rezensionen vorsichtig sein. Beispiel: „Der Autor hat sich keine Mühe gegeben.“

Solche Aussagen können für Autoren, die in der Regel viel Zeit, Liebe und Energie in ihre Werke stecken, äußerst verletzend sein. Zudem gilt: Solange man solche Behauptungen nicht fundiert beweisen kann, sollte man sich damit eher zurückhalten. Gleiches gilt für Plagiatsunterstellungen. Ein Plagiat ist eine extrem schwerwiegende Anschuldigung gegen einen Autor, die, wenn sie schon vorgebracht werden muss, unbedingt zu begründen und mit Beispielen zu belegen ist. Ähnliche Themengebiete bei zwei verschiedenen Büchern sind im Übrigen längst noch kein Plagiat. Wobei eine unoriginelle Handlung natürlich durchaus ein legitimer Kritikpunkt sein kann. Damit, dem Autor gleich eine Straftat zu unterstellen, sollte man allerdings äußerst vorsichtig sein. Denn das geht dann schnell in Richtung Rufschädigung – und kann für den Rezensenten unter Umständen teuer werden.

7. Spoiler

Es ist traurig, dass überhaupt noch darüber diskutiert werden muss, aber selbstverständlich darf eine Rezension keine unangekündigten Spoiler enthalten. Und ja, wenn die Kritik zum letzten Band eines Reihentitels „Rührendes Happy End“ lautet, ist das auch ein Spoiler. Ein massiver sogar. Zu wissen, dass ein Buch gut ausgeht, nimmt jegliche Spannung aus der Handlung. Dennoch liest man Ähnliches in Rezensionen immer wieder.

Also bitte: Spoiler ankündigen oder am besten gleich ganz weglassen. So haben dann auch wirklich alle mehr Spaß am Lesen.

Fazit

Rezensionen müssen nicht immer positiv sein. Autoren müssen damit leben, dass nicht jeder Leser von ihrem Werk restlos begeistert ist. Um eine hilfreiche Rezension zu verfassen, sollte man sich allerdings immer bewusst machen, wozu Rezensionen eigentlich gut sind – und wozu nicht. Gerade die Kommentare bei Amazon und Co. sind nämlich nicht dazu da, den eigenen Frust in die Welt zu schreien, Autoren zu beleidigen oder der ganzen Welt mal so richtig die Meinung zu sagen. Sie sollen Kunden bei der Entscheidung helfen, ob sie dieses Buch kaufen oder eben nicht kaufen wollen.

Der beste Leitfaden beim Verfassen von Rezensionen ist also die Frage: „Hilft diese Aussage einem Bücherwurm auf der Suche nach Lesestoff wirklich weiter? Oder kann ein Außenstehender, der das Buch nicht kennt, damit überhaupt gar nichts anfangen?“

Dann lohnt es sich auch wieder für alle, einen Blick in die Sterne zu werfen.

 

Bildquelle: Pixabay

 

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